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Farmarbeit während der Coronakrise - eine gute Erfahrung

G'day ihr Lieben, 

 

Durch die ganze Corona- Situation hat sich in einigen Bereichen in meinem Leben, wie auch bei den meisten Menschen, einiges geändert. 

Meine Vollzeitstelle wurde zwangsweise während der aktuellen Situation pausiert und ich musste eine neue vorübergehende Einkommensquelle finden. 

Auf australische staatliche Hilfe habe ich durch meinen Visumstyp derzeit noch keinen Anspruch. Um nicht zu viel ins Detail gehen zu müssen, war es aus genau diesem Grund nur erschwert möglich eine Arbeitsstelle zu finden. Viele Jobs die veröffentlicht wurden, waren dazu nur für Permanent Residents und Staatsbürger verfügbar, oder wurden dann letztendlich doch komplett durch die Pandemie zurückgezogen. 

Durch meinen eigentlichen Arbeitgeber und nach 30 abegschickten Bewerbungen innerhalb einer Woche, habe ich dann aber doch noch eine neue vorübergehende Stelle finden können. 

Ich habe der Farmarbeit nochmal eine Chance geben müssen und ich muss sagen, dass meine neuen Erfahrungen sehr positiv verliefen!

Anfangs war ich skeptisch, da ich in der Vergangenheit bereits mit Farmarbeit sehr negative Erlebnisse hatte! 

Wer wissen möchte, wie meine erste Erfahrung auf einer Bananen Farm mit dem Working Holiday Visum verlief, kann dies gerne hier nachlesen

Nun aber zu meinen aktullen Erfahrungen auf einer Avocado Farm in meinem Wohnort, während der Covid-19 Pandemie: 

 

Wochen 1 & 2: 

An meinem ersten Arbeitstag erhielt ich eine schnelle Einarbeitung am Morgen und Handschuhe zum Arbeiten. 

Besondere Kleidung brauchte ich nicht tragen, mir wurde nur gesagt, dass ich in Alltagskleidung und geschlossenen Schuhen erscheinen sollte. Auch die Arbeitshandschuhe die mir am Morgen angeboten wurden waren obligatorisch, aber ich fand es besser mit ihnen zu arbeiten, da es hygienischer war und man ansonsten die ganzen Chemikalien auf die Hände bekam, was brannte wenn man auch nur kleine Wunden hatte. Die meisten Mitarbeiter entschieden sich dazu die Handschuhe während des Packens zu tragen. Unsere Aufgaben waren von Anfang an streng eingeteilt. Die Jungs ernteten und erledigten das schwere Heben, die Mächen packten und hielten den Arbeitsplatz sauber. 

Dann begann die Arbeit von Donnerstag bis zum Rest der Woche. Wir packten regulär immer von Montags bis Freitags, also begannen wir mit einer kurzen Woche. 

Diese zwei Tage und vor allem die nächsten zwei Wochen, waren körperlich und seelisch sehr anstrengend. Der Rücken begann nach wenigen Stunden stark zu schmerzen, da die Bewegungen sehr repetitiv waren und meine Füße schwollen an vom vielen Stehen. 

Allerdings beinhaltet der Job aber auch viel Lauferei. Durchschnittlich legte ich am Tag zwischen 15-20km zurück. Die Arbeit an sich war sehr eintönig - acht Stunden pro Tag Acocados in Boxen packen. Zu Beginn des Packens war mir wirklich sehr danach aufzugeben, denn eigentlich wollte ich ja lieber in meinem richtigen Job arbeiten und mit meiner Karriere vorankommen, anstatt Gelegenheitsjobs zu verrichten. Ich musste mich damit abfinden, dass sich durch Covid-19 einiges geändert hatte und was "normal" war, zur Zeit nunmal nicht so ist. Ich konnte froh sein überhaupt eine vorübergehende Einkommensquelle zu haben. Also raffte ich mich zusammen und machte eifrig weiter, und ich kann nur sagen dass die Arbeit von Tag zu Tag besser wurde! Zudem war das Team, in dem ich arbeitete, sehr motivierend! Dieses bestand hauptsächlich aus Backpackern. Einge arbeiteten auf ihr "Second/ Third Year" Visum hin um ein weiteres Jahr in Australien verbringen zu können. Andere hatten ihre Tage bereits abgearbeitet und wollten einfach nur Geld verdienen. Anderen machte die Arbeit einfach Spaß. Auch ein paar Bewohner der Tablelands arbeiteten seit vielen Jahren auf der Farm und auch die Farmer und  dessen Familie hielf immer eifrig mit! 

Was ich wirklich am schönsten fand war, dass wir fast über die gesamten Monate das gleiche Team blieben. Somit lernte man wirklich viele Menschen gut kennen und konnte sich aufeinander arbeitsmäßig einstellen. Niemand wurde grundlos gefeuert und wenn jemand erkrankte, wurde er von einem Familienmitglied der Farmer ersetzt, bis er wieder fit zu, arbeiten war!

Einige Mädels litten besonders stark an den sich immer wiederholden Handbewegungen und zogen sich eine Sehnenscheidenentzündung zu. 

In Woche 4 begann meine rechte Hand ebenfalls leicht zu schmerzen, da ich auch privat viele neue und ungewohnte Handbewegungen machte. Ich sorgte allerdings direkt mit Kinesiology Band vor, weshalb ich nie erschwerte Probleme bekam. Auch über die restlichen Wochen würde ich immer meine Hand zur Sicherheit wickeln wenn sie leicht zu schmerzen anfing. 

Was ich während der Arbeit benutzte.
Was ich während der Arbeit benutzte.

Wochen 3 & 4:

In den folgenden Wochen viel mir die Arbeit immer leichter und ich erkannte immer mehr, auf was für einer guten Farm ich arbeitete. Das Gehalt war fair. Wir wurden nach gesetzlichem stündlichen Mindestlohn für Farmarbeit bezahlt. Sogar unsere "Smoko''s", also kleine  "Raucherpausen", die über den Tag verteilt 30 Minuten ausmachten, wurden bezahlt. Wir durften auf einem Ohr unbegrenzt Musik hören und miteinander reden. Wenn es Probleme mit der Maschine gab, durften wir auch pausieren und mussten keine unnötige Arbeit verrichten. Trinken war überhaupt kein Problem und auch Toilettenpausen waren völlig in Ordnung. 

 

Ich erwähne all diese Punkte gewollt, denn ich erinnere mich gut daran, dass man auf der Bananen Farm schräg angeguckt wurde, wenn man nur trinken wollte. Individuelle Musik zu hören war nicht erlaubt und wehe man sprach miteinander! Toilettenpausen, gab es nicht und wenn die Maschine Probleme machte, musste man sich unnötige andere Aufgaben suchen. Mit unnötigen Aufgaben meine ich einen offenen Schuppen mit Betonboden zu fegen um ihn Staubfrei zu bekommen... 

 

Die Familie für die ich dieses mal arbeitete war sehr nett und menschlich! Wie bereits erwähnt. arbeiteten die verschiedensten Mitglieder hart an unserer Seite. Jeden zweiten Donnerstag beendeten wir die Arbeit erfrüht und setzten uns in eine Runde um miteinander einige alkoholische Getränke zu genießen. Zwischendurch überrauchte die Familie uns auch mit "Fish'n Ships" zum Mittagessen und wir wurden regelmäßig mit allerlei Süßigkeiten, wie Lollipops, Donuts und Kuchen verwöhnt! 

 

Woche 5: 

In dieser Woche gab es leider auf Grund des schlechten Wetters nicht viel Arbeit, denn wenn es nass ist, sollten Avocados nicht geerntet werden. Wenn nicht gepflückt wird, dann können die Päckerinnen auch nicht packen. Zudem kommt es auch immer darauf an, wie die jährliche Ernte wachstumsmäßig verläuft. Dieses Jahr schien diese nicht so gut gewesen zu sein, weshalb wir vermehrt kürzere Arbeitstage hatten. Aus diesem Grund ist eine Position in der Farming Industrie ein relativ unsicherer Arbeitsplatz. Die Einstellungsart ist meist "Casual", also Gelegenheitsarbeit und Saisonbeschränkt und man kann nicht wirklich lange im Voraus planen. . 

 

Woche 6: 

Die härteste Woche während meiner gesamten Zeit auf der Farm war Woche 6, denn es fühlte sich so an, als mussten wir die verpassten Tage der vorherigen Woche aufarbeiten. Dies bedeutete, dass die Maschine auch doppelt so schnell arbeitete und wir mussten versuchen mitzuhalten. 

Generell erschuf ich mir einige Rituale, die mich nach den langen und anstrengenden Arbeitstagen enspannen ließen und für weitere vorbereiteten. Grundsätzlich nahm ich ein Bad mit Muskelentspannenden Salzen, schaute meine Fernsehserie (zu dieser Zeit war das Vampire Diaries, unglaublich denn während der Zeit auf der Farm schaffte ich es die gesamte Serie mit all ihren Staffeln zu schauen), übte eine Stunde Klavier am Tag und entspannte am Abend mit meinem Mann. Ab und zu machte ich zusätzlich noch Dehnübungem um meine Muskulatur erweitert zu entspannen. 

 

Woche 7: 

In dieser Woche hatten wir ein paar Geburtstage auf der Farm, die wir mit Kuchen in den Pausen feierten. 

Die meisten Tage die wir arbeiteten waren verkürzt und wir hatten bereits zur Mittagspause Schluss.

Das war eigentlich ganz gut, denn so hatte ich die Energie und vor allem Möglichkeit nach neuen Arbeitsstellen zu suchen. 

Am letzten Donnerstag arbeiteten wir am längsten und hatten ein Fotoshoot mit einem der Picker, der in seiner Freizeit gerne fotografierte. Der Tag war super entspannt und wir hatten viel Spaß mit dem ganzen Team. Zudem beendeten wir den Tag frühzeitig und trafen uns zum trinken nach der Arbeit, wo wir zudem noch einmal Gruppenfotos machten. Diese könnt ihr unter diesem Testabschnitt sehen:  

 

Woche 8: war sehr kurzlebig. Wir hatten den Montag frei und arbeiteten nur einen halben Tag am Dienstag. 

Der Mittwoch war dann offiziell unser letzter Tag auf der Farm. An diesem packten wir eine andere Sorte von Avocados, die Sharwil. Von dieser Sorte gab es allerdings nicht viel zum ernten, weshalb wir innerhalb von zwei Stunden alles gepackt hatten, was den Tag zuvor gepflückt wurde. Den Rest des Tages verbachten wir damit die Maschine gründlich an allen Ecken und Kanten zu putzen. Dazu gehörte auch der Stauraum, die Küche, das Büro und alle Toiletten. 

Nach der Arbeit saßen wir dann erneut  zusammen und tranken Bier,, allerdings nur mit den Mädchen. 

 

Unsere Farmer und deren Familien überraschten uns zuletzt mit einer wunderschönen Abschiedsparty und mieteten eine ganze Kneipe für das Team für Donnerstag Abend, nachdem wir unsere Arbeit beendeten. Dort feierten wir den Saisonschluss und verabschiedeten uns alle von einander.  

 

Letztendlich kann ich sagen, dass ich mich besonders freue die Saison, auch wenn sie verkürzt war, komplett durchgehalten zu haben. Ich bin wirklich Dankbar dass ich so tolle und verständnisvolle Arbeitgeber hatte und auf einer wirklich guten Farm arbeiten durfte! Ich habe wirklich viele tolle Leute kennengelernt bin Teil eines super Teams geworden und durfte miterleben, wie denn genau die Produktion von Avocados verläuft - sehr interessant und anstrengend! Hut ab für jeden, der diese Arbeit über mehrere Jahre hinweg macht. 

 

Mein regulärer Tagesablauf:

Zuletzt werde ich denjenigen, die daran interessiert sind erläutern, wie mein regulärer Tagesablauf auf der Farm war.

Wir begannen jeden Morgen um genau 8.00 Uhr mit dem Packen. 

Aber was genau kann man unter packen verstehen? Ich denke, dass der Prozess von Farm zu Farm unterschiedlich sein wird, denn es kommt immer darauf an, in welchem Maße man packt und welche Maschine die jeweilige Farm benutzt. Auf der Farm auf der ich arbeitete waren alle Avocados in Nummern aufgeteilt und es gab zwei Seiten an denen gearbeitet wurde. Eine Seite wurde für die zweitklassigen Früchte genutzt und auf der anderen Seite wurden Premium Avocados gepackt. Ich arbeitete hauptsächlich auf der Seite der Premiumfrüchte, da diese hauptsächlich bestellt wurden. Aufgrund des Virus gab es keine zu große Anfrage an zweitklassigen Früchten, da diese normalerweise größtenteils von den Restaurants bestellt werden.   

Jetzt nochmal zu den Nummern. Auf meiner Seite gab es Avocados von der Größe 16 (ungefähr Handgröße) bis 28 (ungefähr Zeigefingergröße). Dazwischen gab es dann noch Größen 18, 20, 23 und 25. 

Normalerweise arbeitete jeder an einer Nummer und wir rotierten nach jeder unseren Pausen, also vier mal am Tag. Allerdings gab es die Größen 20 und 23, die vermehrt gepflückt wurden und somit packte man diese zu zweit und musste demnach auch zwei mal nach den Pausen dort verweilen.

Unsere Schichten waren immer in 2 Stunden Takten aufgeteilt. Unsere erste Pause, auch Smoko genannt, begann um 10.00 Uhr morgens und endetet um 10.15 Uhr. Dann gab es um 12.30 eine halbe Stunde zur Mittagspause und erneuet Smoko um 15.00 Uhr bis 15.15 Uhr. Unser Tag endetet offiziell um 17.00 Uhr und wir beendeten regulär gegen 16.45 Uhr das Packen um anschließend noch genügend Zeit zum putzen und aufräumen zu haben. 

Jede Avocadogröße wurde verschieden gepackt. Alle Avocados fielen in ihre nummerierten Netzte, von welchen wir dann die Früchte aufhoben, in der richtigen Reihenfolge packten und schließlich einen neuen Sticker von der Maschine neben uns zogen, diesen auf eine neue Box klebten und eine neue Folie zur Stabilisierung der Früchte hineinlegten. Die Maschine arbeitete immer in zwei Takten. Takt eins füllte eine halbe Box, begann am Anfang einer Nummer und verlief von links nach rechts. Der zweite Takt füllte die Boxen und ein grünes Licht erschien. Dieses mussten wir drücken um die Stickermaschine zu aktivieren und um das Licht vor uns erlischen zu lassen. Die Lichter halfen uns dabei zu sehen, wo gerade Hilfe gebraucht wurde, denn wir durften und mussten uns sogar  zwischen den Nummern immer hin- und herbewegen. Man musste aber immer zu seiner eigenen Station zurückkehren falls diese hektischer wurde. 

Nachdem man alle Nummern durchlaufen hatte, musste man für eine Rotation die Boxen aufstocken. Dies war eine sehr einfache Aufgabe und etwas Abwechslungsreich. Man musste von drei verschiedenen Stapeln, jeweils 6 Boxen auf die sich bewegenden Hänger legen. Während dieses Jobs war immer eine gute Zeit um sich Hörspiele oder Podcasts anzuhören.  

 

Unterhalb ist ein Video eingeblendet, in dem ihr sehen könnt, wie genau die Produktionskette verlief.

 

Video Credits: Von Lillian

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